Entspannungstörn

15.10.2018 - Wir haben uns daran gewöhnt, dem Hier und Jetzt stets einen Schritt nachzuhinken. Dadurch bleibt viel auf der Strecke.

Hier im zahmen Pulsschlag der Tuamotus fällt es uns dagegen wieder leicht, die Tage in Zeitlupe verstreichen zu lassen. Einfach nur das tun, worauf man gerade Lust hat. Mal fischen, mal lesen, mal kochen, am Außenriff spazieren, mit Mantas schwimmen, Wale vom Dingi aus beobachten, Sonnenuntergängen zuprosten, den Sternschnuppen vertrauen. All das halt. Südsee-Träumereien ohne Termindruck. Das Besondere: Die derzeitige Crew eignet sich perfekt für das In-den-Tag-hinein-leben.

Die sonnendurchfluteten Lagunen von Rangiroa, Ahe, Toau und Fakarava schimmern von Aquamarin bis Türkisgrün. Palmen wiegen sich sanft im Wind, am Außenriff zerschellen Wellen wie weißes Glas. Die maximal drei Meter über den Meeresspiegel hinausragenden Atolle erinnern an riesige Ovale. Sie sind die zurück gebliebenen Kränze einst mächtiger Inseln, die sich hier vor Jahrmillionen aus dem Pazifik gereckt haben. Strahlende Perlenketten auf blauer Seide.

Abkühlung tut gut. Oft schweben wir schwerelos auf der Wasseroberfläche unter der sich eine bizarre Welt auftut. Wir tauchen unter und erst wieder auf, wenn uns die Luft ausgeht. Über einer Seeanemone tanzt frech ein Clownfisch, als wisse er, wie populär er durch die Zeichentrickfigur Nemo geworden ist. Bunte Papageienfische knabbern an Korallenstöcken. Ein Napoleonfisch gleitet vorbei, seine Wulstlippen wirken wie aufgespritzt. Mit rollenden Augen mustert er uns, wie man Eindringlinge eben mustert. Dann kommt der Chef. Ein grauer Riffhai. Bote eines fremden Universums.

Die Tuamotus sind ziemlich abgelegen. Und still. Das soll kein Vorwurf sein. Es ist eine Liebeserklärung. Zwei Wochen haben wir uns treiben lassen, unser eigenes Tempo gefunden, Eindrücke gesammelt, die nachhaltig in Erinnerung bleiben. Ioanes Kopraplantage, den Sonntags-Kirchgang in Ahe, Gastons selbst gefangene Langusten, Salz auf den Lippen, den klarsten Sternenhimmel der Welt, Lagerfeuer am einsamen Korallenstrand, ... Erlebnisse, die man für kein Geld kaufen kann. Weil sie authentisch sind, unvorhergesehen, zwischenmenschlich. Endlich angekommen in der Südsee!

Fakarava, 15.10.2018