Über den Wolken

27. Mai 2017 - Wir kommen tatsächlich los. Die Wohnungstür schnappt zehn Tage später als geplant zu, und wir sind unterwegs.

Wird wahrscheinlich etwas dauern, bis ich es so richtig glaube.

Auf den Rollfeldern des Flughafens sind unzählige Maschinen in Bewegung, das Farbengewirr ihrer Heckflossen erinnert an Segel bei einer Regatta. Ich sehe unser Flugzeug bereits am Gate parken, Gepäckwagen und Mechaniker wirken daneben zwergenhaft klein, und wie immer frage ich mich, wie ein solches Ding sich überhaupt in die Lüfte erheben kann.

Die ganze Erledigungshektik der letzten Tage weicht sukzessive der typischen entspannten Reiserelaxtheit. Was immer passiert, passiert; und wenn was nicht klappt, passiert halt stattdessen was anderes. Nur wenige Momente im Leben sind befreiender als die, in denen ein Flugzeug vom Boden abhebt. Höchstens der Augenblick, in dem wir Nomads Landleinen lösen, übertrifft dieses Gefühl. Aber alles zu seiner Zeit.

Die Wolken tragen Gelassenheit heran. Weit unter uns sind Effizienzwahn, Sorgen und Kümmernisse, allesamt jetzt unendlich klein, wie Kratzer auf der Erde. Die Lektion vom Wechsel der Perspektiven ist mir durchaus geläufig, doch nur selten erscheint sie mir so wahr wie in diesem Moment, wo ich gegen die kalte Fensterscheibe gedrückt sitze und unsere Boeing 787 mir profunde philosophische Einsichten vermittelt.

Nach tagträumerisch verbrachten acht Stunden im Flugzeug habe ich das Gefühl, zu mir selbst zurückgefunden zu haben, wieder in Kontakt zu sein mit dem, was mir wichtig ist. Es war dringend notwendig, wieder aufzubrechen.