ÜBER DEN WOLKEN

Muss jeden Winter mindestens einmal gemacht werden: der Gipfel des 2076 Meter hohen Schneebergs!

Die Wettervorhersage versprach für Sonntag, den 18. März 2018, einen eisig grauen Wintertag. Als wir in der Früh aus dem Fenster blicken, schneit es. Dennoch packen wir einer Intuition folgend die Rucksäcke, ziehen die Felle auf die Tourenschi und machen uns auf den Weg. Mal schauen, wie weit wir kommen.

Oberhalb des Almgatterls versucht ein zaghafter Sonnenstrahl die Wolkendecke zu durchstoßen und bei der Kremplhütte lacht uns der Schneeberg unter fetzblauem Himmel entgegen. Also nichts wie weiter. Mit ein paar Spitzkehren steigen wir den Wurzengraben empor, die letzten 100 Höhenmeter sind zäh wie immer. Lassen diesmal die Fischerhütte links liegen und schwenken auf den Kamm zum Klosterwappen. Uns umgibt tiefe Stille, wir hören nur das Kratzen unserer Steigfelle und das Knirschen der Schistöcke. Selten haben wir bei solch einem Kaiserwetter so wenig Bergsteiger hier oben getroffen. Die große Radarstation, die ansonsten den Gipfel des Schneebergs entstellt, erinnert heute - durch den meterdicken Anraum - an ein Eisschloss. Unter uns nichts als ein brodelndes Nebelmeer.

Während der sonnigen Gipfelrast zieht Nebel zu uns hinauf. Zunächst legt er sich nur als dünner Streifen über den Kaiserstein, dann schwappt die Wolkenwand über das gesamte Schneebergmassiv, wie Wasser über den Rand einer Badewanne. Vergeblich warten wir auf die Regieanweisung "Vorhang auf" und schwingen schließlich im Blindflug rein in den Schneegraben, folgen unserem inneren Kompass. Leicht und schnell sind wir die 1200 Höhenmeter wieder unten im Tal und zurück in der Wirklichkeit.

Aufstieg über den Wurzengraben